Über den Kurs
Was bleibt, wenn wir das Überflüssige entfernen? In diesem Seminar widmen wir uns der Verdichtung als eigenständiger künstlerischer Haltung. Reduktion ist hier nicht als Verzicht zu verstehen, sondern als ein aktives Schärfen des Blicks. Wir untersuchen, wie durch die bewusste Beschränkung der Mittel – sei es in der Farbwahl, der Geste oder der Materialität – eine neue, gesteigerte Präsenz des Bildraums entstehen kann.
„Die Kunst ist der kürzeste Weg vom Menschen zum Menschen.“ – Vincent van Gogh
In diesem Prozess begreifen wir das Bild als ein Wesen, das durch Schichtung, Abtrag und präzise gesetzte Impulse zu seiner Essenz findet. Wir arbeiten experimentell mit einer stark reduzierten Palette und fokussieren uns darauf, wie Dichte, Textur und die Nuancen des Materials eine eigene Sprache entwickeln, die ohne Ablenkung auskommt. Du lernst, den Moment zu erkennen, in dem ein Werk seine absolute Form gefunden hat – den Punkt, an dem Stille und Energie in Einklang stehen.
Didaktischer Fokus:
Methodische Reduktion: Wir erarbeiten Strategien, wie du die Wahl deiner Mittel (Pigment, Bindemittel, Farbauftrag) auf das Wesentliche fokussierst.
Prozessuale Klärung: Wir thematisieren, wie man durch bewusste Korrektur und Schichtung „Ballast“ abwirft, um den Bildkern freizulegen.
Wahrnehmungsschulung: Du lernst, die „Stille“ im Bild als aktives Gestaltungselement zu begreifen und die physische Präsenz der Fläche zu stärken.
Dieses Seminar ist eine Einladung an dich, die eigene Arbeitsweise radikal zu fokussieren. Wir suchen nicht das Spektakel, sondern die vollkommene Verdichtung – den Moment, in dem das Werk nicht mehr verändert werden muss, weil es in seiner reduzierten Form zur Ruhe gekommen ist.
Lass uns das Überflüssige ablegen und zur Essenz deines künstlerischen Ausdrucks finden.
Meditationen und Wahrnehmungsübungen sind ein freiwilliger Teil des Angebots.
Dozent/-in
Anke Leinhaas

Anke Leinhaas, geboren 1972 in Bad Neuenahr, lebt und arbeitet in der Nähe von Bonn. Neben ihrer Tätigkeit im wissenschaftlichen Umfeld beschäftigt sie sich seit ihrer Kindheit intensiv mit Malerei und besuchte Kurse bei verschiedenen Künstler*innen in unterschiedlichen Techniken.
Ausgehend von ihrer tiefen Verbundenheit mit der Natur widmet sie sich der künstlerischen Erforschung von „haptisch greifbaren Räumen im dreidimensionalen Bildgeschehen“. In diesem Kontext entdeckte sie die Prozessmalerei, mit der sie sich seit 2015 fokussiert auseinandersetzt. Der Besuch der Studienklasse Process Painting of Intuitive Power bei Gabriele Musebrink von 2018 bis 2020 vertiefte diesen künstlerischen Prozess. In den Jahren 2020 bis 2022 war sie in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin Gabriele Musebrink in der künstlerischen Lehre tätig und übernahm die eigenständige Leitung von Seminaren und Workshops. Seit 2023 arbeitet Anke Leinhaas als freie Dozentin an Kunstakademien im gesamten deutschsprachigen Raum. Ihre Arbeiten sind regelmäßig in Ausstellungen vertreten und wurden mehrfach international ausgezeichnet.




