Über den Kurs
In diesem Seminar geht es um die tiefe Symbolik und den unendlichen Raum, den Weiß in der Kunst eröffnet. Weiß ist nicht einfach eine Farbe – es ist ein Ausdruck von Stille, von Anfang und von unendlichen Möglichkeiten. Als unbunte Farbe steht Weiß zwischen den Extremen – zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit. Doch gerade in diesem Spannungsfeld entfaltet sich seine volle poetische Kraft.
Wir betrachten Weiß nicht nur als leere Fläche, sondern als aktiven Raum, der sowohl Materie als auch Imagination birgt. Weiß wird hier zu einem Raum der Reflektion, der Reinheit, aber auch der Verwandlung. Durch die eigene Arbeit mit Pigmenten und Spachtelmassen nähern wir uns der Vielschichtigkeit dieser „abwesenden“ Farbe und erkennen, wie sie als Medium wirkt – als Träger von Strukturen, Emotionen und Gedanken.
Weiß fungiert als eine Art „unsichtbare Bühne“ für die Materialität der Kunst, bei der jede Schicht, jede Textur eine Geschichte erzählt. Im Seminar beschäftigen wir uns mit der Frage, wie Weiß als Ausdruck von Leere, Vollständigkeit und Transzendenz genutzt werden kann und welche Symbolik in seiner „Abwesenheit“ steckt. Der Fokus liegt dabei auf der kreativen Nutzung von Weiß als Raum, der befüllt, geformt und durch die eigene künstlerische Praxis neu interpretiert wird.
Dieses Seminar richtet sich an Künstler*innen, die die symbolische Dimension von Weiß und die unbunte Farbe in ihrer Kunst entdecken und auf eine neue Weise nutzen möchten. Meditationen und Wahrnehmungsübungen sind ein freiwilliger Teil des Angebots.
Dozent/-in
Anke Leinhaas

Anke Leinhaas, geboren 1972 in Bad Neuenahr, lebt und arbeitet in der Nähe von Bonn. Neben ihrer Tätigkeit im wissenschaftlichen Umfeld beschäftigt sie sich seit ihrer Kindheit intensiv mit Malerei und besuchte Kurse bei verschiedenen Künstler*innen in unterschiedlichen Techniken.
Ausgehend von ihrer tiefen Verbundenheit mit der Natur widmet sie sich der künstlerischen Erforschung von „haptisch greifbaren Räumen im dreidimensionalen Bildgeschehen“. In diesem Kontext entdeckte sie die Prozessmalerei, mit der sie sich seit 2015 fokussiert auseinandersetzt. Der Besuch der Studienklasse Process Painting of Intuitive Power bei Gabriele Musebrink von 2018 bis 2020 vertiefte diesen künstlerischen Prozess. In den Jahren 2020 bis 2022 war sie in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin Gabriele Musebrink in der künstlerischen Lehre tätig und übernahm die eigenständige Leitung von Seminaren und Workshops. Seit 2023 arbeitet Anke Leinhaas als freie Dozentin an Kunstakademien im gesamten deutschsprachigen Raum. Ihre Arbeiten sind regelmäßig in Ausstellungen vertreten und wurden mehrfach international ausgezeichnet.





